GDPR für Websites: eine Checkliste für webentwickler

GDPR für Websites: eine Checkliste für webentwickler

GDPR-Checkliste für Webentwickler

GDPR-Compliance ist kein juristisches Dokumentationsproblem, sondern ein Systemproblem.

Für Entwickler heißt das vor allem: genau zu wissen, welche Daten eine Website erfasst, wohin sie fließen und wie sich rechtliche Anforderungen sauber im Code abbilden lassen.

Diese Checkliste übersetzt die Vorgaben in konkrete technische Entscheidungen, die sich direkt in produktiven Systemen umsetzen lassen.

Datenflüsse erfassen

Bevor du Cookie-Banner oder Datenschutzerklärungen anfasst, musst du verstehen, wie Daten durch dein System laufen.

Checkliste:

  • Alle personenbezogenen Daten erfassen, etwa Namen, E-Mail-Adressen, IP-Adressen, User-IDs und Tracking-Events
  • Nachvollziehen, wohin diese Daten gehen: Backend, Datenbank, Logs, Analytics, externe Dienste
  • Speicherorte dokumentieren, inklusive Backups, Log-Systeme und Cloud-Speicher
  • Alle Empfänger auflisten, zum Beispiel Analyse-Tools, Mail-Services, Error-Tracking oder CDNs

Beispiel: Ein Kontaktformular schickt Daten an eine API, schreibt Request-Bodies in Logs, leitet Inhalte per E-Mail weiter und speichert Einträge in einem CRM. Alle vier Stationen müssen dokumentiert sein.

Rechtsgrundlage klären

Jede Datenerhebung braucht einen klaren Zweck.

Checkliste:

  • Für jede Datenkategorie eine Rechtsgrundlage festlegen, etwa Einwilligung, Vertrag oder berechtigtes Interesse
  • Felder entfernen, die keinen klaren Nutzen haben
  • Optionale Daten nur erheben, wenn sie wirklich gebraucht werden

Beispiel: Wenn für einen Newsletter nur eine E-Mail-Adresse nötig ist, sollten Name, Firma und Telefonnummer gestrichen werden, sofern sie nicht aktiv genutzt werden.

Einwilligung sauber umsetzen

Einwilligung muss aktiv erfolgen, sinnvoll aufgeteilt sein und jederzeit widerrufen werden können.

Checkliste:

  • Keine vorausgewählten Checkboxen
  • Einwilligungen nach Kategorien trennen, zum Beispiel Analytics, Marketing und notwendige Funktionen
  • Einwilligungsstatus serverseitig oder dauerhaft im Client speichern
  • Nutzern eine gut sichtbare Möglichkeit geben, ihre Auswahl zu ändern

Beispiel: Eine Einstellungsseite, auf der Nutzer Analytics nachträglich deaktivieren können, wobei gleichzeitig alle entsprechenden Cookies gelöscht werden.

Cookies und Tracking

Ein Banner allein reicht nicht. Der Code muss die Entscheidung respektieren.

Checkliste:

  • Alle nicht notwendigen Skripte blockieren, bis eine Einwilligung vorliegt
  • Tracking- und Analyse-Tools erst nach Opt-in laden
  • Keine Tracking-Pixel beim ersten Seitenaufruf auslösen
  • Do-Not-Track-Signale berücksichtigen, wo sinnvoll

Beispiel: Analytics wird erst initialisiert, wenn die entsprechende Einwilligung tatsächlich gesetzt ist.

Formulare kritisch prüfen

Formulare sind oft die größte Quelle unnötiger Datensammlung.

Checkliste:

  • Pro Feld nur das abfragen, was wirklich benötigt wird
  • Zweck der Datenerhebung direkt am Formular erklären
  • Versteckte Felder mit personenbezogenen Daten entfernen, wenn sie nicht zwingend nötig sind
  • Sicherstellen, dass Frontend und Backend dieselben Regeln durchsetzen

Beispiel: Unter dem E-Mail-Feld steht: „Wir nutzen deine E-Mail-Adresse ausschließlich zur Kontoerstellung und für Passwort-Resets.“

Nutzerrechte umsetzbar machen

Rechte müssen funktionieren, nicht nur in der Datenschutzerklärung stehen.

Checkliste:

  • Nutzern Zugriff auf ihre gespeicherten Daten ermöglichen
  • Korrekturen ohne Support-Kontakt erlauben, wo möglich
  • Lösch- und Anonymisierungsprozesse über alle Systeme hinweg implementieren
  • Datenexporte in einem strukturierten, maschinenlesbaren Format anbieten

Beispiel: Ein Button im Account-Bereich, der im Hintergrund Jobs startet, um Nutzerdaten zu löschen, Tokens zu widerrufen und Tracking-IDs zu entfernen.

Aufbewahrungsfristen festlegen

Daten unbegrenzt zu speichern ist ein echtes Risiko.

Checkliste:

  • Für jede Datenart klare Aufbewahrungsfristen definieren
  • Automatisierte Löschung oder Anonymisierung einrichten
  • Backups und Logs nach Möglichkeit einbeziehen

Beispiel: Kontaktanfragen werden nach 90 Tagen automatisch gelöscht, sofern sie keinem aktiven Supportfall zugeordnet sind.

Sicherheit ernst nehmen

Sicherheit ist ein zentraler Bestandteil der GDPR, kein optionales Extra.

Checkliste:

  • HTTPS überall erzwingen, auch intern
  • Sensible Daten im Ruhezustand verschlüsseln
  • Zugriffe strikt rollenbasiert steuern
  • Zugriffe auf personenbezogene Daten protokollieren
  • Auffälliges Verhalten überwachen und melden

Beispiel: Direkter Datenbankzugriff ist auf Applikationsrollen beschränkt, alle administrativen Abfragen werden geloggt.

Drittanbieter überprüfen

Jeder externe Dienst erhöht die Angriffsfläche.

Checkliste:

  • Alle Drittanbieter erfassen, die personenbezogene Daten erhalten
  • Prüfen, ob Auftragsverarbeitungsverträge vorhanden sind
  • Klären, wo die Daten gespeichert werden
  • Nicht genutzte Integrationen entfernen

Beispiel: Ein altes Chat-Widget wird entfernt, weil es weiterhin Tracking-Skripte lädt, obwohl es nicht mehr genutzt wird.

Datenschutzerklärung und Code abgleichen

Die Erklärung muss widerspiegeln, was der Code tatsächlich tut.

Checkliste:

  • Technisches Verhalten und Dokumentation regelmäßig abgleichen
  • Datenschutzerklärung bei Änderungen anpassen
  • Einwilligungen und Nutzerrechte mit konkreten Funktionen verknüpfen

Beispiel: Wenn Analytics laut Erklärung optional ist, darf es technisch erst nach Einwilligung geladen werden.

Entwicklungs- und Produktionsumgebungen trennen

Abkürzungen in der Entwicklung führen schnell zu Compliance-Problemen.

Checkliste:

  • Keine echten Nutzerdaten in Dev- oder Testumgebungen verwenden
  • Testdaten anonymisieren oder synthetisch erzeugen
  • Zugriff auf Produktivdaten und Logs strikt einschränken

Beispiel: Produktions-Backups werden vor dem Einsatz in Staging durch anonymisierte Datensätze ersetzt.

Vorbereitung auf Sicherheitsvorfälle

Geh davon aus, dass etwas passiert, und sei vorbereitet.

Checkliste:

  • Sicherheitsrelevante Events mit Zeitstempeln und IDs loggen
  • Unbefugten Zugriff und Datenabfluss überwachen
  • Einen klaren Incident-Prozess mit Zuständigkeiten dokumentieren
  • Betroffene Nutzer und Datentypen schnell identifizieren können

Beispiel: Zentrale Logs ermöglichen bei einem Vorfall die Filterung nach User-ID und Event-Typ.

Realitätscheck zum Schluss

Wenn du nicht erklären kannst, welche Daten deine Website sammelt, warum sie gesammelt werden und wie sie wieder gelöscht werden, ist dein System nicht GDPR-ready. Compliance wird deutlich einfacher, wenn Datenflüsse überschaubar bleiben, Tracking bewusst eingesetzt wird und Löschung von Anfang an mitgedacht wird.

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